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Bleiberecht für Koblenzer Kinder
Familie Yildirim muss zurückkehren!

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Elke Schumacher`s Kommentar zu einem Bericht im Paulinus zur Abschiebung der Familie Yildirim aus dem Kirchenasyl mehr

Leserbrief auf den Artikel von Herrn R. Klug am 06.11.06 unter Koblenz Extra

„ Wer Geld hat, darf bleiben?“

Kluge Strategie, Herr Klug, über das Geld, das der Flüchtlingsfamilie Yildirim zum Überleben gewährt wurde, aktiv Entsolidarisierung in der Bevölkerung zu betreiben. Klug, nicht zu erwähnen, dass „geduldete Menschen“ erst eine Arbeitsstelle bekommen, wenn kein Deutscher dafür zu finden ist. Klug, nicht zu erwähnen, dass ab Mai diesen Jahres für Herrn Yildirim eine Arbeit gefunden war, aber von der Behörde keine Arbeitserlaubnis erteilt wurde.

In Anbetracht zunehmender Spaltung in arm und reich und zunehmend leerer Staatskassen (bei im Übrigen gleichzeitig wachsendem privaten Reichtum) trägt das schnell dazu bei, den Hartz-IV-Empfänger gegen den Asylbewerber auszuspielen und den Angestellten mit geringem Verdienst gegen den Hartz-IV-Empfänger; denn der Arbeitslose wie der Angestellte aus der Mittelschicht bangen mit Recht um ihre Existenz und die ihrer Kinder. Jeder wird dabei leicht zum potentiellen Konkurrenten und Gegner des anderen. Politik und Wirtschaft reduzieren zunehmend jeden Menschen auf sein Dasein als „Unternehmer seiner Arbeitskraft und Daseinsfürsorge“ und machen jeden allein für Erfolg oder Scheitern seiner Existenz verantwortlich. Zugespitzt heißt das: Nur wer auf dem weltweiten Markt der immer knapper werdenden Arbeitsplätze verwertbar bleibt und nicht auf die Solidarität der Starken mit den Schwachen angewiesen ist, der allein hat auch das Recht zu bleiben und menschenwürdig zu leben! Dass Arbeitslosigkeit, Flucht und Armut aber nicht individuelle Probleme, sondern strukturell verursacht sind, wird verschwiegen. Warum sagen wir nicht offen, was schon 1995 die Machtelite der Welt in San Francisco unverblümt verkündet hat: dass im 21. Jhd. 20% der arbeitsfähigen Bevölkerung ausreichen werden, um die Weltwirtschaft in Schwung zu halten und die restlichen 80% der Weltbevölkerung quasi überflüssig und ohne Einkommen sein werden.

Hier könnte Herr Klug, doch sicher einige Vorschläge einbringen, wie die restlichen 80% der schmarotzenden Weltbevölkerung entsorgt werden könnten – wie die Familie Yildirim.

Susanne Schneider,
Gemeindereferentin
Pfarrgasse 5
56070 Koblenz

0261/81384

Leserbrief: "Große Anteilnahme"

Diese Berichterstattung über Familie Yildirim hat mich mit tiefer Traurigkeit erfüllt. Zum einen ist es die Anteilnahme mit dem Schicksal der Hilfesuchenden, zum anderen die grenzenlose Enttäuschung über die willenlose Gefolgschaft Regelungen gegenüber, die bei Weitem nicht von allen unserer Mitmenschen getragen werden. Hierbei wurde eine moralische Grenze mit einer vermeintlichen formalen Legitimation bewusst überschritten, und leider mussten alle Beteiligten nur ihre Pflicht tun. Sozusagen im Auftrag. (...)

Dr. Dirk Laue, Bassenheim

 

Leserbrief: "Ich schäme mich für Koblenz"

"Koblenz, eine Stadt zum Bleiben" - das trifft nicht zu für die kurdische Familie Yildirim, die aus dem Kirchenasyl zwangsweise in die Türkei abgeschoben wurde. Über dieses Handeln unserer Behörden bin ich nicht nur betroffen, sondern auch erzürnt. Was dort am frühen Morgen des Reformationstages geschehen ist, wenn 16 Polizeibeamte für die Zwangsabschiebung eingesetzt wurden, dann ist das für mich Rassismus, den unser Staat doch mit allen Mitteln versucht zu bekämpfen. (...)

In dieser Affäre schäme ich mich, in dieser lebenswerten Stadt Bürger zu sein.

Horst Frenz, Koblenz, RZ-Online Artikelarchiv vom 07.11.2006

 

Leserbrief: "Die Kirche im Dorf lassen"

Nun lassen Sie mal die Kirche im Dorf. Dass Sie über die miterlebte Abschiebung der Familie Yildirim aufgebracht sind, ist verständlich. Aber das berechtigt Sie nicht, die Durchsetzung des richterlichen Beschlusses mit einer Zeit in Verbindung zu bringen, "von der unsere Großeltern berichtet haben". Wollen Sie damit sagen, dass die Abschiebung in Koblenz mit nationalsozialistischen Aktionen oder gar mit den Deportationen von Juden zu vergleichen ist? Allein schon die Andeutung eines solchen Vergleiches lässt eine Argumentationsspur erkennen, die auf dem Hintergrund des christlich begründeten Antijudaismus vergangener Jahrhunderte besonders von Christen nicht mehr begangen werden sollte. Im günstigsten Fall kann man Ihnen hier historische Unkenntnis unterstellen.

Und was wollen Sie mit der Bemerkung ausdrücken, dass eine vergleichbare Aktion "vermutlich" nicht in einer Moschee oder Synagoge durchgeführt würde? Ich kann nur hoffen, dass solche Aussagen aus einer verständlichen, aber unreflektierten Gefühlserregung heraus getroffen wurden und auch nur so zu erklären sind. (...)

Ich respektiere die Haltung von Pfarrer Corsten, der dieser Familie Asyl gewährt und damit ein Zeichen der Verbundenheit gesetzt hat. Aber ich habe auch Respekt vor politischen Entscheidungen, die im Gefüge eines Rechtsstaates getroffen werden und im Hinblick auf eine große Zahl ähnlich gelagerter Fälle in Rheinland-Pfalz nur einen geringen Ermessensspielraum zulassen. Und ich gestehe den "Entscheidungsträgern" ebenso wie Ihnen moralische Verantwortung zu. Diese "den Herren" abzusprechen, halte ich nicht für sehr christlich. Ich fände es gut und wichtig, wenn nach Glättung der emotionalen Wogen ein Gespräch der kommunalen Kontrahenten gesucht würde. Nur so kann man Feindbilder abbauen.

Roland Klein, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates, Koblenz-Güls

rz 7.11.06

Leserbrief: "Ich denke an die Kinder"

Beim Lesen der Berichte zur Abschiebung aus dem Kirchenasyl haben mich drei Tatbestände erschüttert.

1. Ich hatte gerade den Bericht von Amnesty international über die zunehmenden Menschrechtsverletzungen, Folter etc. in der Türkei gehört und erfahre dann, dass gerade dahin Menschen gewaltsam abgeschoben werden, die hier Zuflucht gesucht hatten.

2. Ich dachte an die Kinder Yildirim, die in Schule und Kindergarten hier integriert sind, Deutsch sprechen, auf jeden Fall kein Türkisch, und in einem Land aus einem Albtraum im Flieger erwachen, wo sie keinen kennen, die Sprache nicht verstehen und ihren Vater vermissen, ohne zu erfahren, wo er ist und wie es ihm geht.

3. Ich war darüber hinaus entsetzt, dass eine jahrtausendealte Tradition "der Schutz des Flüchtlings im Gotteshaus" nicht nur ignoriert, sondern mit harscher Polizeigewalt (...) ins Gegenteil verkehrt wurde. (...)

Hedwig Just, Koblenz

 

Leserbrief "Mein Respekt"

Wo leben wir eigentlich? Alle Instanzen haben abgelehnt. Es scheint, als wäre der Fall klar gewesen. Die kurdische Familie Yildirim in Neuendorf muss gehen. Doch frage ich mich, wieso hunderte von Menschen sich in Koblenz für diese Familie einsetzten, wenn doch alles so klar ist. Es scheint doch, als hätte unser Rechtsstaat versagt. Christen in Koblenz tun ihre Pflicht. Wir als Kirche sind sehr geschätzt, wenn wir Kindergärten, Krankenhäuser, Altenheimen, Schulen und so weiter unterhalten. "Ja bitte", sagt die Politik. "Ihr macht das gut", hören wir. Ja genau, das ist unsere Aufgabe. Wo Menschen sind, müssen Christen handeln. Doch scheint die Politik im Fall der Familie Yildirim der Kirche nicht zu vertrauen. Die Menschen in Neuendorf sind ihrem Gewissen gefolgt. Haben gehandelt und der Familie Yildirim geholfen. Abgeschoben, die Kirche entweiht, die Menschen in Neuendorf alleingelassen, das ist die Antwort unseres Rechtsstaates. (...) So geht man nicht mit Bürgern um, die sich für andere Menschen einsetzten. "Selig die um der Gerechtigkeit Willen verfolgt werden, denn ihnen gehört das Himmelreich" (Matthäus Evangelium an Allerheiligen). Ich glaube, Jesus ist stolz auf die Christen in Koblenz. Ihnen gebührt mein Respekt und meine Hochachtung. Ihr habt Christentum lebendig gemacht.

Kaplan Michael Pauken, Andernach, RZ 6.11.06

RZ-Online Artikelarchiv vom 06.11.2006

„Tabubruch“

„Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen." Auf diesem Satz aus der Geschichte über die Apostel und Apostelinnen basiert Artikel 2242 des „Katechismus der katholischen Kirche", der lautet: „Bürger (natürlich auch die Bürgerin!) hat die Gewissenspflicht, die Vorschriften der staatlichen Autoritäten nicht zu befolgen, wenn diese Anordnungen den Forderungen der sittlichen Ordnung, den Grundrechten des Menschen oder den Weisungen des Evangeliums widersprechen. Den staatlichen Autoritäten den Gehorsam zu verweigern, falls deren Forderungen dem rechten Gewissen widersprechen, findet seine Rechtfertigung in der Unterscheidung zwischen dem Dienst Gottes und dem Dienst an der staatlichen Gemeinschaft." Auf Bibel und Katechismus können sich also Christengemeinden stützen, wenn sie Flüchtlingen Kirchenasyl gewähren. Dass weder Ministerpräsident noch Innenminister noch Bürgermeister das respektieren, sondern als Staatsgewalt in die Kirche von St. Peter eingedrungen sind, ist gleichzeitig der Bruch mit dem heiligen Tabu des Tempel- und Kirchenasyls, das es seit Menschengedenken und in vielen Kulturen gibt. An diesem Tag ist etwas Entscheidendes in unserem Land geschehen, das die Kirchen nicht hinnehmen dürfen. Jutta Lehnert, Waldesch

 

„Man muss sich schämen"

Eine kurdische Familie, die seit zehn Jahren in Deutschland lebt und hier ihre drei Kinder bekommen hat, wird gewaltsam (auch noch getrennt) in die Türkei abgeschoben. Was geht in den Köpfen derer um, die sich ständig hinter ihren Verordnungen und Weisungen verschanzen? Gibt es in Deutschland nur noch Egoismus, Selbstbedienung, Korruption, Gleichgültigkeit und mangelhafte Achtung vor dem anderen? Wo bleibt der Mut zur Entscheidung gegen ein Gesetz und für Menschlichkeit? Die Entscheidung von Koblenz passt so recht ins Bild einer Gesellschaft, die nur an sich denkt. Man muss sich schämen, nicht mitdemonstriert zu haben. Albert Brants, Niederzissen

 

„Dem unmenschlichen Gesetz wurde Genüge getan - der Fall ist erledigt"

In welchem Land leben wir eigentlich? Da wird eine kurdische Familie morgens um 6.45 Uhr gegen den Willen des Hausbesitzers aus einer Kirche geraubt und in getrennten Fahrzeugen zum Flughafen gebracht, um sie gegen ihren Willen in ein Land abzuschieben, das den Vater der Familie per Haftbefehl wegen Kriegsdienstverweigerung angeklagt hat. (...) Haben unsere politisch Verantwortlichen schon mal etwas von menschlichem Verständnis, geschweige denn von Menschenrechten und Hausfriedensbruch gehört? Warum muss eine Familie abgeschoben werden, die den Staat nichts kostet? Sie befand sich in der Obhut einer Kirche. Allen Respekt vor diesem Pastor. Ich hätte allerdings an seiner Stelle die Kirchentüre nicht aufgeschlossen und den Aufbruch durch die Polizei riskiert, zumal der gerichtliche Beschluss die Kirche nicht betraf.

Nochmals! In welchem Land leben wir eigentlich? Da erklären Europäer, dass die Türkei nicht reif für die EU sei. Sind wir es, wenn wir so mitMenschen umgehen? Was danach kommt, ist den Verantwortlichen egal! Da verhungern hilflose Kinder, wie kürzlich aus Bremen berichtet. Täglich werden Kinder in unserem Land umgebracht. Am Dienstag wurde eine Familie mit drei bei uns geborenen Kindern in ein Land abgeschoben, das sie noch nie gesehen haben. Diesem unmenschlichen Gesetz wurde Genüge getan. Dieser Fall ist erledigt. Was danach kommt, geht niemand was an. Ecki schreibt auf der gleichen Seite, dass ein Koblenzer Kreditinstitut Bänke gestiftet hat nach dem Motto: „Koblenz -eine Stadt zum Bleiben". Das stimmt nicht mehr! Oswald Senner, Mülheim-Kärlich

„Ein Verrat an der Religion"

Unsere Staatsmacht schützt nicht einmal unsere Werte, sondern bricht das Kirchenasyl. Ist uns die Beichte, das Gelübde, das Kirchenasyl denn gar nichts wert? Hier zeigt sich, wie wenig christliches Handeln noch eine Rolle spielt.

Unsere Toleranz, unsere eigene Rücksichtnahme und unser Nichteinstehen für Werte wird denen, die ihre Religion als Heiligen Krieg verbreiten, über kurz oder lang die Macht in unserem Staate geben. Der Bruch des Kirchenasyls war nicht nur schlimm für die kurdische Familie, es war ein neuer Verrat an unserer Religion. Martin Niemöller sagte einmal: „Erst wurde der Kommunist geholt, wir schwiegen; dann der Sozialdemokrat, wir schwiegen; dann der Christ, wir schwiegen; und zuletzt ich, da war keiner mehr da, der etwas sagen konnte!" Uwe Baumann, Koblenz

 

Leserbrief: "Situation macht betroffen"

Die Abschiebesituation der Familie Yildirim kann schon betroffen machen.

Warum so etwas aber fast zehn Jahre dauert und dadurch erst so schlimm wird, kann wohl kaum jemand nachvollziehen.

Wenn ich die Gründe für die Asylanträge sehe, dann frage ich mich, wieso wir die Türkei in die EU aufnehmen wollen!

Allen Politikern, die sich so stark für einen EU-Beitritt der Türkei einsetzen, sollte dieser und sicher auch weitere ähnliche Vorgänge zugeschickt werden.

Wolfgang Stach, Kadenbach

 

Leserbrief: "Wehret den Anfängen"

Die Abschiebung der kurdischen Familie Yildirim sorgt für Entsetzen bei den Unterstützern.

Ich war Zeugin der Geschehnisse vom 31. Oktober in der Pfarrkirche St. Peter in Neuendorf. Mehr als 30 Polizisten holen eine kurdische Familie mit drei minderjährigen Kindern (zehn, sieben und fünf Jahre alt) gegen ihren Willen aus dem Kirchenasyl, um sie abzuschieben. Die Eltern waren vor zehn Jahren geflüchtet, um der Verfolgung in der Türkei zu entgehen und werden genau dorthin abgeschoben. Die Polizei dringt illegal in die sakralen Räume der Kirche St. Peter ein, obwohl nur ein richterlicher Beschluss für das Pfarrhaus vorlag. Ein Tabu, das bereits schon im alten Testament von "Heiden" respektiert wurde, wurde gebrochen, um das "Gesetz" gegen eine hilflose Familie durchzusetzen.

Dieser Tabubruch ist einmalig in Rheinland-Pfalz und dabei veranlasst von Politikern, denen die christlichen Werte nicht unbekannt sein dürften. Vermutlich hätte man sich in eine Moschee oder Synagoge nicht mit einem Polizeieinsatz getraut.

Wer ist verantwortlich? Natürlich niemand, nur das Gesetz wurde ausgeführt. Die Würde des Menschen und die freiheitlich-demokratische Grundordnung bleiben dabei auf der Strecke. Das ist weder sozialdemokratisch noch christdemokratisch. Die Entscheidungsträger Beck, Bruch und Schulte-Wissermann werden sich nicht vor der moralischen Verantwortung drücken können, denn die Gefahr für Leib und Leben der Familie Yildirim in der Türkei ist den Herren bekannt. Es wird keiner sagen können: "Ich habe das nicht gewusst." Jeder dieser Herren hatte die Möglichkeit, eine humane Lösung herbeizuführen.

Für uns als Mitchristen heißt das aber auch: "Wehret den Anfängen." Die Sprüche wie "Es geht uns nichts an" und "Wir sind ja keine Kurden" können einen bald selbst treffen. Wer diese Abschiebung selbst miterlebt hat, fühlt sich in eine Zeit versetzt, von der unsere Großeltern berichtet haben.

Beate Naunheim, Kesselheim, 4.11.06 rz-online