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Bleiberecht für Koblenzer Kinder
Familie Yildirim muss zurückkehren!

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Initiative Zuflucht

c/o Werner Huffer-Kilian

St. Josefstrasse 20

 

56068 Koblenz

Zur Berichterstattung, RZ vom 19.10.2006
„Abschiebung droht: Recht kennt kein Kirchenasyl

Schutz für schwache Familie

Familie Yildirim ist eine schwache Familie, ihre wirkliche Situation wird kaum wahrgenommen. Ihre Ängste, Beklemmungen und Schwächen werden nicht berücksichtigt, obwohl die Unterstützergruppen genau dies immer wieder betont haben und dabei das Schicksal der Kinder hervorhoben. Für die Behörden scheinen die Kinder unwichtig zu sein, diese haften quasi mit für die Eltern und deren mögliches Fehlverhalten. Bisher haben nur einige Beteiligte die Möglichkeit wahrgenommen, die Familie zu besuchen, um sich ein eigenes Bild von deren Situation zu machen.

Wir haben den Eindruck, die Stellungnahme der Stadtverwaltung soll zu der Meinung führen, als trage die Familie die allein die Verantwortung für ihre Situation. Mit Blick darauf, dass wir nun schon seit einem Jahr mit der Familie arbeiten, weisen wir den offensichtlichen Versuch zurück, der Familie kriminelle Energie zuzuweisen. Es liegen keinerlei Straftatbestände vor, die bisher verfolgt wurden. Man beruft sich auf die Aktenlage. Wenn man die Anerkennungsquote des Bundesamtes sieht (nur 0,9% der Asylbewerber werden als Flüchtlinge anerkannt) und die Tatsache hinzuzieht, dass wohl kaum eine Klage von Flüchtlingen vor Gericht gegen unseren Staat Erfolg hatte, wird die Atmosphäre des Misstrauens deutlich.

Es ist falsch zu behaupten, dass dem Herrn Oberbürgermeister Untätigkeit vorgeworfen wurde, vielmehr wurde die eindeutige Stellungnahme gegen die Familie und insbesondere die Kinder mit Unverständnis von uns aufgenommen. Wir hatten frühzeitig um ein Engagement für diese Kinder gebeten und sind auf eine Mauer aus Kälte und Recht gestoßen. „Der Kindeswohlparagraph und die UN-Kinderrechtskonvention geben ausländerrechtlich nichts her,“ so Herr Horst Muth vom Innenministerium. „Das Ausländerrecht schafft Tragödien“, stellt er weiter fest, obwohl alle Behörden dazu verpflichtet sind, das Kindeswohl vorrangig zu berücksichtigen.

Im direkten Kontakt haben wir den Eindruck gewonnen, dass es sich um eine schwache Familie handelt. Wer als Analphabet kommt, hier Lesen, Schreiben und eine andere Sprache und das gleichzeitig lernen soll, wird sich schwer tun. Wer vorher als Schafhirt in der Landwirtschaft in Kurdistan in guten wirtschaftlichen Verhältnissen gelebt hat, und hier in Deutschland auf dem aktuellen Arbeitsmarkt eine Arbeit finden soll, kann verzweifeln. Wer vorher glücklich mit den kleinen Kindern gelebt hat, dann flüchtet, die Kinder in der Obhut der Oma hinterlassen muss, wird die dauernde Sorge um die dortigen Kinder nicht mehr los. Dazu kommen dann die Sorgen um die Kinder, die hier geboren wurden.

Wer auf der Flucht nach Deutschland kommt, die Sprache nicht versteht, auf die Vielzahl von helfenden, beratenden Menschen unterschiedlicher Kompetenz und Motivation angewiesen ist, wird sich unweigerlich in Widersprüche, Ungereimtheiten und Versuchungen wieder finden. Es muss gesehen werden, wie mit Papieren in der Türkei, ihrer Echtheit oder Unechtheit, umgegangen wird. Wer dazu noch eher zurückhaltend ist, seit Jahren aber psychischem Druck ausgesetzt ist, steht in der Gefahr depressiv und passiv zu werden.

Es ist unvollständig, wenn gesagt wird, dass die Familie durch die Aneinanderreihung von Verfahren seit zehn Jahren quasi ihren Aufenthalt selbst zu verantworten hätte. Nach Ablehnung des ersten Folgeantrages haben die Behörden die Möglichkeit, Abschiebungen durchzuführen, weil alle weiteren Anträge keinerlei aufschiebende Wirkung mehr haben. Wir haben immer betont, dass es den Behörden hoch anzurechnen ist, dass sie nicht abgeschoben haben. Im Rahmen von Fairness muss also gesagt werden, dass es zwei Seiten gibt, die die Kettenduldung zu verantworten haben.

Die Vielzahl der Asylanträge trägt das Zeichen der Angst in sich, weil man keinen anderen Weg sah. Die Erfahrungen der Familie mit dem türkischen Staat und seinen Institutionen haben diese Angst erzeugt und sie ist durch die Erfahrungen mit den türkischen Behörden hier in Deutschland keineswegs ausgeräumt.

Gegen Herrn Yildirim liegt ein Haftbefehl vor und bei einer Einreise würde er verhaftet. Was das in der Türkei mit seinem Willkür-Justiz-System bedeutet, kann man sich vorstellen: Folter, Schläge, Verleumdung. Auf Frau Yildirim als der Ehefrau kann Ähnliches zukommen (Folter, Vergewaltigung) wegen des herrschen Ehrenkodex in der dortigen Gesellschaft. Die Kinder stünden ohne Eltern da.

Wir haben immer klargestellt, dass Kirchenasyl eine Aktionsform zur Rettung von Humanität und Menschenwürde ist. Die örtliche Kirchengemeinde gewährt Flüchtlingen Schutz und hofft, dass die Behörden den Fall unter anderen und vor allem humanitären Gesichtspunkten erneut prüfen – gerade mit Blick auf die Kinder. Dass Kirchenasyl kein Abschiebehindernis schafft, ist allen bewusst. Mehr noch, dass Personen, die illegal hier lebenden Menschen Beihilfe leisten, sogar strafrechtlich verfolgt werden können, nehmen die Beteiligten aus mitmenschlichen und christlichen Gründen in Kauf. Das Kirchenasyl beruft sich auf die biblische Tradition, Flüchtlingen Schutz und Hilfe zu gewähren und den Schwächsten beizustehen, denn ohne Sensibilität für die Schwachen kann es keine menschenwürdige Gesellschaft geben. Wer im Gebet in Gott eintaucht, taucht neben den Armen wieder auf.

Werner Huffer-Kilian