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Bleiberecht für Koblenzer Kinder
Familie Yildirim muss zurückkehren!

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Koblenzer Kinder im Kirchenasyl

Seit dem 11. Oktober gewährt die Pfarrgemeinde St. Peter in Absprache und in Zusammenarbeit mit der Initiative Zuflucht und dem Unterstützerkreis für Familie Yilderim einer kurdischen Familie Kirchenasyl. Die fünfköpfige Familie hat zur Zeit eine Herberge im Pfarrhaus St. Peter gefunden. Dort schläft sie und teilt sich die Küche und den Küchentisch mit Pastor Thomas Corsten. Gegessen wird gemeinsam am Abend nach Einbruch der Dunkelheit; denn noch ist Ramadan, der Fastenmonat der Muslime. Kirchenasyl bedeutet: Niemand von der fünfköpfigen Familie darf das Pfarrhaus verlassen, wenn er nicht die Abschiebung riskieren will. Das gilt auch für die Kinder. Sie dürfen weder die Schule noch den Kindergarten besuchen. Von der Stadt Koblenz erhält die Familie keinerlei Leistungen nach dem Aylbewerbergesetz mehr, weil sie sich seit dem 10. Oktober „ohne jeglichen Aufenthaltsstatus" in Deutschland aufhält und „zur Ausreise verpflichtet" ist.
Wir setzen uns ein für ein Bleiberecht der Familie,  die  seit   über  10   Jahren  in Deutschland in Kettenduldung lebt. Ihre drei Kinder Serhat (10), Cebrail (7) und Emine (4) sind in Koblenz geboren; sie gingen in Neuendorf in die Grundschule, bzw. in den Kindergarten. Untereinander sprechen die  Kinder Deutsch  und mit ihren  Eltern   reden   sie   kurdisch.   Die Türkei, die Heimat ihrer Eltern, haben sie noch   nie besucht. Auch die türkische Sprache verstehen weder die Kinder noch die Mutter. Denn die Mutter hat nie eine Schule besucht. Dennoch sollen sie nach dem Willen der Behörden in die Türkei ausreisen, in jenes Land, aus dem die Eltern mit Hilfe einer Schlepperbande geflohen sind, weil die Lebensumstände für sie dort unerträglich geworden waren. Auf der abenteuerlichen Flucht aus der Türkei mussten die Eltern ihre drei ersten Kinder bei der Großmutter lassen. Mahnwachen auf dem Koblenzer Jesuitenplatz, Briefe und Pressemitteilungen haben in den letzen Monaten auf das Schicksal der Familie Yildirim hingewiesen: Der psychische Druck, der seit Jahren auf die Familie lastet, kann von den Lehrerinnen der Grundschule, die die zwei Jungen Serhat und Cebrail besuchten, bestätigt werden. Die Auswirkungen auf die Kinder sind deutlich: Sprachliche Beeinträchtigungen und Konzentrationsschwierigkeiten. Die Last auf den Eltern, die kaum darüber sprechen, wird in der Erfahrung eines Unterstützers klar: „Ich befrage Nafiye Yildirim, wie sie Deutschland erlebt, wie ihr Leben hier ist? Nach ihrem Wunsch gelebt hat sie noch nie. Sie weiß auch nicht was Leben bedeutet. Leben definiert sie so: „Nichts – Leere!“ Seit ihrer Geburt in den kurdischen Gebieten der Türkei kennt sie nur Angst und Unterdrückung. Das hat sich in Deutschland nicht geändert. 24 Stunden am Tag denkt sie an ihre Kinder in der Türkei und hat ständig die Angst vor einer Abschiebung im Nacken. Abschiebung in ein Land, das in ihrer Erinnerung nur Angst und Schrecken verbreitet."

Mit ihrem Mann Ali, geb. 1965, lebte Nafiye Yildirim bis 1993 in einem Dorf bei Nusaybin1 an der türkisch-syrischen Grenze unweit vom Irak. Sie, geb. 1971 in Midyat, hat nie eine Schule besucht. Ihr Mann, geb. 1965 in Nusaybin, war in der Schule, wenn ein Lehrer da war. Er hat dort nur türkisch gelernt. Seine kurdische Muttersprache hat er weder lesen noch schreiben gelernt. 15 Monate war er 1987/88 beim türkischen Militär, davon die meiste Zeit in Artyin an der damals türkisch-sowjetischen Grenze in der Nähe zum Schwarzen Meer.
In der Türkei lebte die Familie von der Landwirtschaft. Sie bauten Getreide an und hatten 150 Schafe. Ständig wurde die Familie drangsaliert. Ein Bruder des Mannes gilt bei den Behörden als Mitglied der PKK und ist seit 1992 verschwunden. Die Familie und besonders. Ali Yildirim werden der Zusammenarbeit mit der PKK verdächtigt, er wurde mehrfach verhaftet und verprügelt. Einmal wurde er für einen ganzen Monat in Haft gehalten und auch gefoltert. Als er und andere Männer aus dem Dorf 1993 „Dorfschützer" werden sollten, lehnten sie ab: Keiner wollte die eigenen Mitmenschen im Dorf bespitzeln und unterdrücken. Sie wurden alle gezwungen, das Dorf zu verlassen, ihre Häuser wurden zerstört und ihre Felder den verbleibenden Dorfschützern übergeben. Als die Verfolgungsmaßnahmen durch die türkischen Behörden ins Unerträgliche wachsen, entschlossen sie sich 1996 zur Flucht, nachdem Ali's Anwesenheit im Dorf von einem Dorfschützer verraten wurde und er befürchtete, dass er wie sein Bruder spurlos verschwinden würde.2 Da die drei Kinder für die Strapazen der Flucht noch zu klein waren, sollten sie vorläufig bei der Großmutter zurück bleiben. Ali und Nafiye Yildirim ist nach 18 Tagen die Flucht nach Deutschland gelungen.

In einem Interview mit dem SWR erzählte Serhat am Sonntag, dass er hier bleiben wolle, weil in Neuendorf seine Freunde seien. Warum er mit seinen Eltern und Geschwistern im Neuendorfer Pfarrhaus wohnen muss, das konnte er der Reporterin nicht erklären. Zu unvorstellbar ist für die Kinder die Lage, in der sie sich befinden.
Nach außen zeigen sich die Kinder fröhlich. Sie lachen und spielen im Pfarrhaus. Doch ab und zu kommt unvermittelt aus den Kindermündern die Frage „Kommt die Polizei?" oder die Mutter fängt an zu weinen.

Für uns ist die Situation der hier geborenen Kinder der ausschlaggebende Punkt für ein Bleiberecht für die Familie. Den Kindern, die hier geboren wurden und hier aufwachsen, würde durch eine Abschiebung in die Türkei in ihrer weiterenEntwicklung großer Schaden zugefügt. Sie kämen in eine ihnen vollkommen fremde Umgebung. Alle rechtlichen Argumente wegen der UN-Kinderrechtskonvention, unseres Grund- gesetzes und der Europäischen Menschen- rechtskonvention wurden von den Behörden nicht akzeptiert. Die Situation der Kinder wird zwar von den Behörden und einzelnen Politikern gesehen und bedauert, aber nicht in ihren Abwägungen berücksichtigt. Den Eltern wird mangelnde Integration vorgeworfen (mangelnde Sprachkenntnisse und keine Arbeit), und so sind humanitäre Gründe nicht zu berücksichtigen. Die Kinder und ihre persönlichen Rechte werden nicht beachtet. Die Kinder werden behandelt wie eine Sache.

Am 6. September tagte in der Angelegenheit der Familie auch die Härte- fall-kommission des Landes Rheinland-Pfalz. Sie lehnte es ab, die Familie als Härtefall anzunehmen. Man will einen Standardfall nicht zu einem Härtefall stilisieren, so eine Aussage aus dem Innenministerium. Außerdem wirft man Herrn Yildirim vor, den Aufenthalt in Deutschland durch die Vielzahl der Asylanträge schuldhaft verlängert zu haben.

Frau Yildirim besucht seit 2003 einen Alphabetisierungskurs im Kindergarten von St. Antonius in Lützel. Ebenso besuchte Herr Yildirim 2003 einen Deutschkurs bei der VHS in Koblenz. In diesem Jahr hat er zwei weitere Kurse an der VHS besucht. Durch die ständige Ungewissheit über die Zukunft fällt es ihnen schwer sich auf den Spracherwerb zu konzentrieren. - „Der Kopf ist zu!" Die Kinder können bedingt durch Schule und Kindergarten sehr gut deutsch.

Anhand der Quittungsbelege über die Arbeitssuche für das Arbeitsamt ist zu sehen, dass Herr Yildirim schon seit längerer Zeit eine Arbeitsstelle sucht, aber keine fand. Bedingt durch die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist es auch äußerst schwierig. Jetzt ab Mitte August könnte Herr Yildirim eine Arbeitsstelle antreten als Hilfsarbeiter in einem Kloster mit angeschlossenem Kurbetrieb und einer kleinen Landwirtschaft. Dies ist aber abhängig davon, ob er eine Arbeitserlaubnis erhält oder nicht. Die Stelle wird bis auf weiteres für ihn vorgehalten. Doch die Stadt Koblenz weigerte sich bislang, eine Arbeitserlaubnis zu erteilen.

Seit Wochen setzen sich viele Menschen in Koblenz für diese Familie ein und erbitten ein Bleiberecht. Etliche Mahnwachen vor dem Rathaus forderten ein „Bleiberecht für Koblenzer Kinder!" Eine Resolution wurde in den Stadtrat eingebracht aber mit dem Argument der „Nicht-Zuständigkeit“ erst gar nicht auf die Tagesordnung gesetzt. Eltern, Lehrer und Kinder der Willi-Graf-Schule richteten an den Oberbürgermeister und den Stadtrat den dringenden Appell sich für die Familie einzusetzen. Aber der Oberbürgermeister und mit ihm die Ausländerbehörde sehen keine Möglichkeit zu helfen. Sie müssen, um dem Gesetz genüge zu tun, die Ausreisepflicht der Familie durchsetzen.

Die Meinung des Unterstützerkreises und vieler Bürger aus Koblenz und. Umgebung (ca. 1500 Unterschriften unterstützen die Familie) spiegelt das Plakat einer Lehrerin aus der Willi-Graf-Schule, der Neuendorfer Grundschule, wieder:

Wir brauchen ganz verschiedene Menschen

damit die Welt sich dreht

Abschiebung von Kindern

ist unseres Rechtsstaates

unwürdig!

______________

1) Der antike Name der Stadt Nusaybin  lautet Nisibis. In Nisibis — einst ein Zentrum des östlichen Christentums - gab es eine berühmte christliche Schule. Bei den altchristlichen Schulen handelt es sich zumeist nicht um dauerhafte Institutionen, die vom Ortsbischof autorisiert wurden, sondern um private Unternehmungen einzelner Lehrer, die einen Schülerkreis um sich versammelten. Eine eigene christliche allgemeinbildende Schule hat es in der Antike nicht gegeben; der Elementarunterricht sowie die Ausbildung in Grammatik und den rhetorischen Fächern erfolgte durch heidnische Lehrer. Das Glaubenswissen vermittelten die sog. Katechetenschulen. Die Schule von Nisbis genoss bereits im 4. Jahrhundert durch die ausgedehnte Lehrtätigkeit Ephräms des Syrers (gest. 373) einen guten Ruf. Auf Grund der erhaltenen Statuten sind wir über den Studienbetrieb in Nisibis gut unterrichtet. Der Elementarstudiengang umfasste einen Dreijahreskurs. Das erste Jahr bestand neben verschiedenen Lektionen im Abschreiben des der Briefe des Apostels Paulus und des Pentateuchs (= 5 Bücher Moses) sowie in einer Einführung in den Kirchengesang. Im zweiten kamen die Psalmen, die Propheten und die liturgischen Hymnen hinzu, im dritten die Evangelien und das übrige NT sowie die Oden der Nationaldichter Ephräm und Narses. Ein Aufbaukurs umfaßte exegetische Vorträge und auch Vorlesungen über Philosophie (Aristoteles) und Medizin. Den Höhepunkt bildete das Bibelstudium nach der Methode des Theodor v. Mopsuestia, die großen Wert auf den Literalsinn der Hl. Schrift legt . Nach dem Ausbau der nestorianischen Theologenschule in Seleukia-Ktesiphon 541 und nach einer durch die islamische Eroberung erzwungenen Neugründung einer weiteren Akademie in Bagdad (830) verlor die Schule von Nisibis im 9. Jh. ihre Bedeutung.